OFF BALANCE

Vorwort von Madeleine Schüpfer

Persönlichkeiten mit Rang und Namen präsentieren beim diesjährigen Tanzfestival 2019 in Olten Tanzdarbietungen, die einmalige Zeichen hinterlassen. Man erkennt, dass Tanz immer alles ist. Er kann die inneren und äusseren Befindlichkeiten miteinander verweben, so dass man in sich Freiheiten erkennt, die voller Faszination sind. Der Tanz trägt uns fort, man taucht ein in die Bewegtheit der Musik, man erkennt auf eine neue Art seine Körperbefindlichkeiten, seine Vorstellungskraft und spürt, dass nicht die Dinge uns weiter bringen, die bis ins Letzte fassbar sind, sondern vor allem die, die immer auch etwas offen lassen, das man nicht beantworten kann. Das Unsagbare ist ebenso fesselnd, wie die eindeutigen ausformulierten Zusammenhänge, denen man im Alltag begegnet. Antworten auf das Leben sind wichtig, aber nicht von entscheidender Auswirkung, weil sie immer auch ein Stück Relativität in sich tragen, wahr sein können oder auch nicht. Der Tanz ereignet sich im Augenblick, man kann ihm nicht ausweichen. Er gibt das, was er aufzeigt, manchmal verschlüsselt, manchmal provozierend oder dann liebevoll in zärtlicher Poesie. Immer sind wir ein Teil der Betrachtung. Wir gestalten den Inhalt, den uns der Tanz im Augenblick aufzeigen will. Unsere Bereitschaft ist es, die es möglich macht, auf innere Vorgänge einzusteigen, Bewegungen in uns aufzunehmen, mit Harmonien, aber auch mit Kontrasten zu spielen. Auch in der Provokation liegt ein tiefer Sinn, werden wir doch wachgerüttelt für Dinge, die wir oft übersehen oder nicht wahrnehmen wollen.

In diesem Jahr erlebt das Publikum ganz unterschiedliche Tanzausrichtungen: Zärtliche und verspielte, aber auch höchst provokative und skurrile, Bilder und Musik, Tanzbewegungen und Stille, die jeden mitnimmt in eine völlig andere Welt. Auch die Begegnung mit Tanzenden mit einer Beeinträchtigung, wie sie dieses Jahr stattfindet, hat eine grosse Bedeutung, weil sie uns neue Inhalte erschliesst. Im Tanz liegt genau die Freiheit, die innere Losgelöstheit, von der wir Menschen immer wieder träumen, die wir suchen, sei es auf Reisen in fremde Länder, in der Kunst, in der Musik, in Büchern. Denn das Leben ist nie nur das, was man augenblicklich in der Hand hält, es ist immer mehr und vielschichtiger; und wenn man offen bleibt, dann ereignen sich ganz besonders schöne Dinge. Der Tanz schenkt uns solche Freiheiten des Erkennens, weil er uns auf leisen Sohlen mitnimmt in diese tänzerische Welt, in der man noch so gerne ausruht und sich geborgen fühlt.